„Ich wurde einfach weich geliebt“

By

Eine Reise mit überraschendem Ziel

Ich hatte mich immer als eine völlig normale Christin empfunden, hineingeboren und aufgewachsen in einer Familie mit traditionellen Werten christlicher Prägung. Doch plötzlich – ich war schon verheiratet und hatte Kinder – wurde ich damit konfrontiert, dass meine ältere Schwester sich „bekehrt“ hatte. Ihre neue Art zu glauben und vom Glauben zu sprechen, war mir völlig fremd, irritierte mich, und so distanzierte ich mich davon. All ihren Versuchen, mich zu missionieren, begegnete ich mit ziemlich arroganter Ablehnung. Gleichzeitig aber wuchs eine Sehnsucht in mir, wirklich glauben zu können und Gott nahe zu kommen – eine Sehnsucht nach Wahrheit, Verlässlichkeit und Geborgenheit, eine Sehnsucht, die eigentlich schon immer da war.

In dieser Zeit erreichte mich auf Initiative meiner Schwester ein Prospekt mit der Einladung, eine Gruppenreise nach Israel mitzumachen. Ich war mit meiner Familie schon einmal in Israel gewesen und wünschte mir sehr, das Land wiederzusehen. Diese Gruppenreise sollte unter der Leitung von Maria Prean stattfinden, und ich wurde von Menschen, die sie kannten geradezu bestürmt, mitzufahren. Es wäre ein großes Erlebnis, Israel mit ihr zu bereisen. Vorsichtig erkundigte ich mich bei meiner Schwester, ob es in dieser Reisegruppe auch „normale“ Christen gäbe oder nur solche „ihrer Ausrichtung“. Sie beruhigte mich und meinte, die Teilnehmer kämen alle aus ganz verschiedenen Kirchen. Doch bereits im Flugzeug stellte ich fest, dass die Teilnehmer zwar alle aus verschiedenen Kirchengemeinden kamen und dennoch alle die gleiche Ausrichtung wie meine Schwester hatten. Erschrocken ging ich erst einmal auf Distanz und beschloss, so unsichtbar wie möglich zu bleiben und hoffte, diese Zeit gut zu überstehen.
Alle Teilnehmer begegneten mir mit großer Freundlichkeit und Warmherzigkeit, ungeachtet meiner spröden Zurückhaltung. Ich erlebte Andachten, Gebetszeiten und eine Art von Lobpreis wie ich es zuvor noch nie erfahren hatte. Sehr taktvoll und behutsam wurde ich mit hineingenommen in diese für mich so ungewohnte Gemeinschaft und meine innere Abwehr schmolz dahin. Ich wurde einfach weich geliebt in diesen Tagen der Reise und kurz vor ihrem Ende brachen alle meine mühsam aufgerichteten Mauern zusammen und ich war bereit für die wichtigste Entscheidung meines Lebens: Jesus Christus als meinen Herrn und Erlöser anzunehmen. Ich war an dem Ziel angekommen, nach dem ich mich ein Leben lang gesehnt hatte und unbeschreibliche Freude erfüllte mich.

Bei meinem ersten Gottesdienstbesuch nach meiner Rückkehr bemerkte ich staunend, welch große Veränderung sich in mir bereits vollzogen hatte. Zuvor waren Gottesdienste für mich geprägt von steifer Feierlichkeit, oft begleitet von großem Unbehagen, weil ich immer wieder spürte, dass ich sehr wenig im Einklang war mit dem, was gepredigt, gebetet und gesungen wurde. Große Not hatte ich mit dem Kreuz, ich fühlte mich von ihm schuldig gesprochen und konnte es kaum anschauen. Als ich nach meiner Reise in den Gottesdienst kam, war ein Jauchzen und Jubeln in mir. Zum ersten Mal hatte ich das sichere Gefühl, hier zuhause zu sein, wirklich dazuzugehören, und das Kreuz empfing mich mit offenen Armen.

Sophie Charlotte Fürstin zu Wied

Start typing and press Enter to search